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Eintopf im Dreibein und fleißige Schmiede. Historische Handwerkerwoche für Kinder auf der Burghalde
[Allgäuer Zeitung, 24.08.06, S. 23]

Kempten (mic) - Zuhause, da hat Julius etliche Ritterfiguren aus Zinn. An Wochenenden schaut sich der Elfjährige mit den Eltern Burgen und Schlösser an, kann sogar anhand der Bausubstanz das Alter der Bauten einschätzen. Und trotzdem ist für den kleinen Mittelalterfan die Historische Handwerkerwoche von Burgenverein und Jugendarbeit auf der Burghalde etwas ganz besonderes: Fünf Tage lang kann er hier arbeiten, wie es die Vorfahren einst taten, für die er sich so sehr interessiert.

Anna Lena aus Reicholzried testet sich zwischen Blumen und Kräutern im Bogen schießen. Spannen, zielen und... loslassen. Der Pfeil geht daneben, das Mädchen zuckt mit den Schultern: "Manchmal treffe ich, einmal ging der Pfeil sogar ins Rote."

Zur gleichen Zeit drechselt Freundin Lisa einen Kerzenständer. Das ist gar nicht so einfach, geht ganz schön auf die Waden. Abwechselnd tritt sie erst mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß und hält dadurch die Wippdrehbank in Bewegung. Das Holzstück kreiselt, konzentriert verziert Lisa es mit einem speziellen Rundmesser mit tiefen und flachen Einkerbungen, Späne fliegen.

Auch das Essen brutzelt bereits im mittelalterlichen Dreibein über einem offenen Feuer. Einen einfachen Eintopf gibt es heute wie ihn die ärmeren Menschen im Mittelalter aßen mit Gemüse, Getreide und etwas Speck. Die Milch für einen süßen Hirsebrei beginnt gerade zu kochen. Der kleine Lucas aus Kempten sorgt währenddessen für Holznachschub, schwingt die Axt - Holz hacken hat er von seinem Onkel gelernt, erzählt er stolz. Wie schwer ganz Alltägliches früher war, mussten die "Mittelaltler auf Probe" übrigens vor allem beim Kochen feststellen. Feuer machen mit dem Feuerstein sollte einfach nicht klappen - letztendlich griffen die Betreuer doch zum neuzeitlichen Feuerzeug.

Mittelalter-Experte Julius konzentriert sich unterdessen auf sein neues Messer. Selbst geschmiedet ist es bereits: Ein oder zwei Minuten kommt die Metallstange ins Feuer dann wird gehämmert, erklärt der Elfjährige. Wenn man die Technik kennt und gut zielt, sei dabei gar nicht so viel Kraft nötig, ergänzt er. Die Klinge ist noch nicht ganz fertig geschliffen, den Messergriff hat Julius aber bereits mit einem Lederband umwickelt. Jetzt werkelt er an einer Scheide aus Leder, stanzt Löcher, an denen er das Leder später zusammennähen wird.

Und selbst im Mittelalter leben? „Kommt drauf an als was - als Ritter oder Knappe schon“, sagt der kleine Mittefalter-Fan Julius schlagfertig. Kompliziert, so fügt er jedoch an, wäre es, den Kontakt zur Verwandtschaft in Norddeutschland zu halten. Statt einer eMail müsste ein Bote auf eine mehrtägige Reise geschickt werden. Er selbst würde in die Postkutsche statt ins Auto oder den Zug steigen.

 

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