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In einer Zeit ohne Strom. Kinder probieren mittelalterliche Handwerke auf Burghalde aus
[Kreisbote, 30.08.06, S. 4 II]

Von Marlen Mösle

Kempten - Das Mittelalter mit seinen Handwerksformen hautnah erleben konnten 32 zehn- bis 13-Jährige in der vergangenen Woche. Im Rahmen des Ferienprogramms der kommunalen Jugendarbeit fand von Montag bis Freitag eine historische Handwerkerwoche auf der Burghalde statt. Die Ferienfreizeit wurde vom Allgäuer Burgenverein unterstützt.

Schon beim erklimmen der Stufen, weiche die Anhöhe zur Burg hinaufführen, sind Hammerschläge auf Eisen zu hören und der Geruch von offenem Feuer zu riechen. Oben angekommen bietet sich ein Bild von mittelalterlichem Treiben: als Sonnen- und Regenschutz aufgespannte weiße Stofftücher, darunter fleißige Handwerker, eingerahmt von alten Mauern sowie dem Duft- und Heilkräutergarten. Unter einem der Tücher werden emsig Gemüse und Zwiebeln geschnitten. Nebenan bringt Sylvia Schindele, eine der sechs Jugendleiter, welche die Freizeit betreuen, schon das Wasser zum Kochen. Selbstverständlich nicht an einem Elektro- oder Gasherd, sondern über dem Lagerfeuer.

„Die Kinder lernen hier kennen, wie man früher gearbeitet hat, also ohne Strom“, verdeutlicht sie. „Im Mittelalter hat eben alles noch anders funktioniert.“ Das sei auch das Ziel der Ferienfreizeit. Es sei kein langweiliges und theoretisches Lernen für die Kinder. Vielmehr könnten sie hier alles selbst ausprobieren und erfahren. „Hier lernen die Schüler auch viele Materialien kennen wie zum Beispiel Holz“, erläutert Sylvia Schindele. Darüber hinaus erproben die Kinder und Jugendlichen aber ihre praktischen Fähigkeiten. In sechs Gruppen eingeteilt schnuppern sie in verschiedene Handwerke hinein.

Mit einer Zange wird beispielsweise in der Glut Metall erhitzt und im Anschluss beschlagen. Mehrmals laufen die Schüler zwischen Esse und Ambos hin und her bis sich abzeichnet, was hier entstehen wird: ein Messer. Ist die richtige Form erreicht, wird das Messer natürlich zum Abschluss noch geschliffen. Das Schmieden ist damit abgeschlossen. Vor allem von den Jungen bekunden viele, dass es ihnen am meisten Spaß gemacht habe.

Fast ebenso oft wird das Drechseln als Lieblingshandwerk genannt. An historischen Wipp-Drehbänken bringen die Kinder einen Holzrohling zum Rotieren und bearbeiten ihn mit ihrem Drechselwerkzeug. Nebenan wird auch mit Holz gearbeitet aber in ganz anderer

Form. Auf dünne Platten werden Stadtwappen und Drachen vorgezeichnet und dann ausgeschnitzt. Hier entstehen Druckvorlagen. Außerdem stellen die Kinder in der

Handwerkerwoche auch Filz für Bälle und Taschen sowie Lederscheiden für ihre geschmiedeten Messer her. Daneben üben sie mit Pfeil und Bogen zu schießen.

„Es ist eine tolle Aktion“, lobt Sylvia Schindele die Feriengestaltung. „Hier wird den Kindern mal die Möglichkeit gegeben etwas Motorisches zu machen.“ Sie selbst begleitet die Woche schon seit mehreren Jahren. „Das Mittelalter ist einfach ein reizvolles Thema“, erklärt sie ihre Motivation. „Und es ist auch witzig eine Woche in der Kutte herumzulaufen.“ Denn alle beteiligten Jugendleiter schlüpfen in der Handwerkerwoche ganz in ihren historischen Beruf und damit auch in die passenden Kleider. Sylvia Schindele, die sonst mit den Kindern filzt, bereitet das Mittagessen für 38 Personen zu. Es soll einen Eintopf mit Suppengemüse und Hirsebrei geben. „Aber für diejenigen, denen das nicht schmeckt, machen wir auch noch Kartoffeln“, verrät sie. „Auch wenn es diese Knolle im Mittelalter in Deutschland noch gar nicht gab.“

Damit das Programm für die Kinder nicht monoton wird, werden noch zusätzliche Veranstaltungen organisiert. „Wir lassen uns zum Beispiel was über den Duftgarten erzählen“, berichtet Schindele. „Außerdem machen wir eine kleine historische Stadtführung mit Fackelwanderung am Abend.“ Der letzte Tag der Handwerkerwoche sei traditionell der Elterntag, an dem sich die Mütter und Väter anschauen können, was ihre Kleinen die Woche über gemacht haben. „Da probiert auch gern mal der ein oder andere Vater das Schmieden oder Drechseln aus.“

Für die Teilnehme an der Handwerkerwoche bezahlen die Eltern 50 Euro für ihr Kind. Ein Betrag, mit dem Material-, Personal- und Organisationsaufwand natürlich auf keinen Fall gedeckt werden kann. Bezuschusst wird die Ferienfreizeit vom Stadtjugendamt. Darüber hinaus stellt der Allgäuer Burgenverein sowohl Material als auch teilweise Personal zur Verfügung. Die Handwerkerwoche ebenso wie die zwei Hüttenfreizeiten, die als Sommerferienprogramm organisiert werden, sind sehr beliebt. „Wir haben immer Wartelisten und hätten Teilnehmer für viel mehr Veranstaltungen“, berichtet Konrad Huger, Abteilungsleiter der Jugendarbeit. Dass dies nicht umgesetzt wird, scheitere daran, dass sowohl personelle als auch finanzielle Kapazitäten zu knapp seien.

 

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